Bedingungslos Lieben

Ich habe ja so meine Probleme mit dem Ausdruck „Bedingungslos Lieben“ innerhalb einer Partnerschaft, besonders in der Dualseelenliebe.

Ich kann hier nur von mir sprechen und wie ich es verstehe oder erlebe.

Ich glaube, dass dieser Begriff zu sehr gedehnt und damit der jeweiligen Situation angepasst wird, um eine Beziehung, oder eine gewünschte Partnerschaft, die nicht funktioniert, oder erst gar nicht entsteht, schön zu reden.

Wenn etwas nicht funktioniert, ja dann hast Du nicht bedingungslos geliebt, oder was auch so beliebt ist, „dann hast Du dich nicht genügend gespiegelt“.

Oder man erzählt dir, dass wenn Du weiterhin bedingungslos in der Liebe bleibst, wird der andere schon irgendwann in der Zukunft, mit ausgebreiteten Armen auf dich zukommen.

Natürlich will einem das Verhalten des Anderen etwas sagen, aber manchmal kann dies einfach auch nur sagen, ich möchte nichts von dir, oder dass derjenige eine andere Person liebt.

Und dann hofft man evtl., weil immer von diesem bedingungslos gesprochen wird, ewig jemandem hinterher, der diese Art von Liebe gar nicht annehmen will.

Ich finde der Begriff wird zu oft missbraucht und Liebenden damit eine ganz falsche Vorstellung vermittelt, diese Aussage man solle bedingungslos lieben, führt, wenn sie falsch gelebt wird, sehr oft in unendliches Leid für eine liebende Seele.

Bedingungsloses Lieben wird für meinen Geschmack zu sehr mit Verzicht und Leid assoziiert, weil manche hoffen, wenn sie lange genug still sind, sich im Hintergrund halten, weiterhin hoffen und wünschen, dem Anderen nur Gutes tun, dann muss er/sie doch irgendwann all dies zu würdigen wissen, und die Liebe zu einem selbst entdecken.

Zu leicht wird dann übersehen, dass der/die Andere seinen Weg weiter geht, man selbst aber auf der Stelle stehen bleibt, sich nicht weiter entwickelt, aus Angst, der geliebte Mensch könne doch noch auf einem zukommen, und einem dann nicht mehr lieben, weil man sich verändert hat.

Manche verwechseln dieses Bedingungslos einfach damit, alles für den Anderen zu tun, damit sich selbst aufgeben, damit in eine ihnen fremde und unangepasste Rolle zu schlüpfen, um jeden Preis gefallen wollen. Und dann wundert man sich, wenn  man krank wird, weil die eigene Seele aufschreit, aufmerksam machen möchte was da gerade falsch läuft.

Bevor manche einfach mal hinterfragen ob der/die Andere sie auch liebt, Gefühle für sie hat, oder ob diese Person vielleicht gar nichts von einem will, oder einem nur in einer lockeren unverbindlichen und für ihn einfachen Verbindung halten möchte, wird immer noch eins draufgesetzt, auf das „bedingungslos“, und somit weiterhin Hoffnung gesät, wo diese eventuell unberechtigt ist. Man fängt an sich immer mehr zu verändern, nur um zu gefallen, dies kann keine wahre Liebe sein.

Bedingungslos lieben, bedeutet für mich, jemanden zu lieben ohne eben Bedingungen daran zu knüpfen, ohne unrealistische Forderungen Liebe zu geben und auch zu empfangen.

Zu lieben ohne dem anderen Druck zu machen, oder ihm zu sagen, „schau was ich alles für dich tue, nun gib mir auch etwas zurück“.

Aber auch die Liebe zu sich selbst darf man dabei nicht vergessen.

Zu oft lese ich z.B. Sei immer für den anderen da, mache ihm keinen Druck, fordere nichts, wenn er/sie sich zurückziehen dann bleibe still, warte bis er/sie sich ändern.

Was ist daran bedingungslos geliebt?

Du stellst dich dabei selbst in den Hintergrund, verkümmerst seelisch im Schatten des anderen.

Es würde bedeuten, der eine kann sich jede Verhaltensweise erlauben und der andere duldet einfach still und wortlos. Das ist keine Bedingungslose Liebe, das ist Selbstaufgabe des eigenen Wesens.

In einer Partnerschaft und besonders in einer Dualseelenbeziehung sollen beide wachsen, und vor allen Dingen in Achtung voreinander und in Vertrauen miteinander leben. Dieses bedingungslos, so wie es oftmals ausgelegt wird, hat für mich immer den bitteren Beigeschmack von Märtyrertum, aber nicht von gegenseitigem Fördern und aneinander Wachsen.

Und wie soll eine Liebe wachsen die auf völliger Bedingungslosigkeit aufgebaut wird?

Eine solche Liebe braucht einen gewissen Grad an Gegensätzen als Reibungsfläche, Zündstoff, Ansporn usw., um aneinander zu wachsen.

Es braucht ein aufeinander eingehen, Achtung für dem jeweils anderen, es braucht Kompromisse und es braucht auch die gegenseitigen Zeichen der Liebe, gegenseitiges Helfen, füreinander Dasein und manches mehr.

Gerade Dualseelen finden sich um aneinander zu lernen, sich zu ergänzen, zu fördern. Gerade in solch einer Beziehung gibt es sehr viel Auf und Ab, und ja es können auch mal die Fetzen fliegen, denn gerade hier ist nicht alles eitel Sonnenschein.

Und ja, es kommt gerade hier gerne vor, dass einer sich manchmal zurückzieht, aber er darf den anderen dann nicht in der Ungewissheit stehen lassen, sondern es dürfen Erklärungen gefordert werden, Absprachen getroffen werden.

Wenn nun der Eine wortlos, ohne Erklärung zurückbleibt, ist dies keine Liebe, gerade die Dualseelen wachsen an den gegenseitigen offenen Gesprächen, nicht am Verschweigen.

Und genau hier trifft für mich die bedingungslose Liebe in Kraft, nämlich die bedingungslose Liebe zu sich selbst. Es ist wichtig immer zuerst auf sich selbst zu schauen, sich selbst zu fragen, will ich die Situation so wie sie jetzt ist wirklich, bin ich dabei noch glücklich und unbeschwert, kann ich damit leben so wie es jetzt ist, oder leide ich darunter?

Sich selbst wichtig nehmen, sich selbst soweit zu lieben um sagen zu können, NEIN so möchte ich das nicht, so bin ich nicht glücklich, und dann auch wenn nötig neue Wege zu gehen, dass ist die Liebe zu sich selbst.

Alles andere wäre ungesund für die Seele.

Ständig nur zu dulden was der andere sich an Freiheiten nimmt, ewig zu warten, unendlich zu hoffen, sich selbst zurückzunehmen, sich gegen seine wahre Natur zu ändern, und all dies immer in der Hoffnung dadurch den geliebten Menschen „irgendwann“ für sich zu gewinnen, ist keine bedingungslose Liebe, so wie sie so gerne ausgelegt wird, dies ist Selbstverleugnung und Selbstablehnung, ist Flucht und Vogel Strausspolitik, aber keine gegenseitige Liebe und auch keine Dualseelenverbindung in der beide sich gegenseitig fördern.

Mein Rat ist immer wieder, höre in dich hinein, gehe in deine innere Stille, horche über die Gefühle in dein Selbst und frage dich immer wieder, wie reagiert meine Seele auf all dies, ist es wirklich diese eine wahre Liebe, oder mache ich  mir, oder der andere mir etwas vor.

Lass dich nicht von Beratern, modernen spirituellen Bewegungen, oder gar dem Anderen in eine Rolle drängen, die nicht zu dir gehört. Höre nur auf deine Seele und dein Herz, sie sagen dir die Antwort, wenn Du ehrlich zu dir selbst bist, wirst Du diese auch verstehen können.

Es kann ja sein, dass Du wirklich auf eine Dualseele getroffen bist, dies wirst Du spüren…tief in dir selbst, und zwar nur in dir.

Ein weiterer Aspekt ist, dass von der anderen Seite dieses bedingungslos gerne als Alibi, als Freibrief genutzt wird, man hält damit den Menschen der einem so verzweifelt liebt, einfach in einer Position fest, in der man selbst kommen und gehen kann wie man möchte, tun und lassen kann was einem beliebt, und all dies mit dem Deckmantel der bedingungslosen Liebe rechtfertigt, selbst aber ist derjenige nicht bereit etwas für eine Beziehung zu tun.

Der Verlierer dabei ist immer derjenige, der glaubt bedingungslos lieben zu müssen, und nie etwas für sich selbst fordern zu dürfen, um selbst geliebt zu werden.

Und genau hier widerspricht sich diese Wort selbst, es wird zur Bedingung gemacht, bedingungslos zu lieben.

© Erika Flickinger

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