Schweigend fühlen …

Und als sie schweigend tief in sich fühlte,

sprach der alte Schmerz leise zu ihr …

er erzählte ihr von seiner Pein,

von dem was sie einst wollte,

wünschte und so sehr ersehnte.

Er berichtete ihr von jeder Träne,

die tiefste Sehnsucht in sich trug,

von dem Bemühen festzuhalten,

was nicht für Sie bestimmt schien.

Er führte sie erneut zu dem tiefen Leid,

das einst jede ihrer Minuten erfüllte,

und ihr die Luft zum Atmen nahm,

diese schmerzende unbeschreibliche Trauer,

mit der er sie fest umklammert hatte.

Er ließ sie alles nochmals fühlen,

bis in ihre tiefste Wahrheit hinein.

Still schaute sie, was es mit ihr tat,

diesen Schmerz, den sie einst weinend,

tobend und mit dem Schicksal hadernd,

zum Feind ihres Lebens erklärt hatte,

im Abstand der Zeit, nochmals zu treffen,

um gelassen zu lauschen, was er ihr zeigen wollte.

Schweigend in sich versunken erkannte sie,

dass da wo einmal diese Pein in ihrem Fühlen,

den Winter ihres Lebens in ihr einziehen lies,

plötzlich friedvolle eine wärmende Sonne schien.

Hier in der ehrlichen Stille ihres Selbst,

begriff sie so klar, dass der Feind von damals,

der ehrlichste Lehrmeister ihres Lebens war,

der sie in die Hölle eines Feuers schickte,

indem ihr wahres ich aus den Flammen stieg.

Als sie sich wiederfand in all den Tränen,

die sie damals unaufhaltsam aufzulösen schienen,

ihr jegliches Raum und Zeitgefühl hinwegwischten,

um ihr zu zeigen, dass sie in der falschen Zeit weilte,

sah sie den Sinn dieses tief gefühlten Schmerzes.

Hier mitten in der Ehrlichkeit mit sich selbst,

erkannte sie mit tief empfundener Dankbarkeit,

dass dies, was sie in ihrem Leid als Feind empfand,

der liebevollste ehrlichste Freund an ihrer Seite war,

ein Gefährte, der sie auf den Weg zu sich selbst

mitten hinein in ihren eigenen Frieden führte.

© Erika Flickinger

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