Du trägst die Verantwortung für deine Worte

Ich habe heute gelesen „man trage niemals die Verantwortung dafür, wie andere sich fühlen“.

Natürlich, trage ich auch meinen Teil der Verantwortung dafür, wie sich mein Gegenüber fühlt, wenn ich ihn schlecht behandle, bewusst verletze, oder ihn nicht sehe, weil ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin.

Natürlich sollte ich mir bewusst darüber sein, dass mein Handeln und Sprechen andere verletzen, traurig machen, oder gar demütigen kann.

Es ist so leicht daher gesagt, dass jeder für sein eigenes Fühlen verantwortlich ist. Mir persönlich zeigt dies einen Menschen, der sich seiner Taten entweder nicht bewusst ist, oder dem schlicht und einfach egal ist, wie andere sich durch/wegen ihm fühlen, Hauptsache er/sie fühlt sich selbst gut.

Dies ist Egoismus in feinster Form.

Man sollte sich immer bewusst sein, dass das eigene Verhalten (auch und gerade Worte) einen anderen zutiefst beeinflussen, und ihm dauerhafte Wunden zufügen kann.

Oder diese Einstellung, dass dies was ich sage, nicht das sein muss, was Du verstehst.

Ich finde dies respektlos, denn Worte können tief verletzten. Unbedacht ausgesprochen, ohne Empathie für mein Gegenüber, kann ich mit Worten tiefere Wunden schlagen, als mit Taten.

Es kommt doch auch immer darauf an, wer dir gegenübersteht, wie es dieser Person gerade geht. Wenn derjenige gerade in einer traurigen, negativen oder schmerzhaften Phase seines Lebens ist, können unbedacht gesprochene Worte wie ein Messer wirken, welches in seine Wunden gestoßen wird.

Natürlich trage ich hier auch die Verantwortung dafür, was meine unbedachten Worte, im Gegenüber auslösen.

„Ich bin nur verantwortlich dafür, was ich sage, nicht dafür was Du verstehst“ … Wer diesen Spruch einmal mit dem Herzen liest, dem wird wahrscheinlich auffallen, wie respektlos dieser Satz Menschen gegenüber ist.

Wer darüber einmal ausgiebig nachdenkt, wird erkennen, dass jemand der dies zu einem seiner Leitsprüche macht, Empathie, Nächstenliebe und Mitgefühl als Fremdworte empfinden könnte.

Denn wer das Leben, die Menschen und seine Umwelt wirklich liebt, würde so nicht reden oder handeln.

Wie viel Egoismus, ja sogar Verachtung liegt in diesem Spruch? Jedoch zeigt eine solche Einstellung auch viel Einsamkeit an, bei dem, der sie benutzt. Ein solcher Mensch ist wahrscheinlich, nicht bereit darüber nachzudenken, was sein Sprechen auslöst. Er ist nicht wirklich bereit, in andere Menschen zu fühlen und vor allen Dingen, er ist nicht bereit, die Wunden und Narben die er selbst verursacht hat zu erkennen.

Wer nicht fähig oder Willens ist, sich in das was er tut hineinzufühlen, ist oftmals von den tiefen Gefühlen, zu allem was lebt abgeschnitten, und auf eine traurige Weise einsam.

Aus diesen Worten klingt auch Hilflosigkeit, die Art von Hilflosigkeit in der derjenige der sie spricht, unfähig ist tiefe Gefühle zu empfinden, für die Menschen, die er mit solchen Sätzen beschenkt. Er ist vielleicht nicht wirklich fähig, sich auf andere einzulassen, zu hinterfragen, wer er selbst eigentlich ist, und wieso er manchmal andere verletzt. Ein solcher Mensch hat oftmals seine Gefühle geschlossen, um sich nicht mit dem, was er sagte, und somit eben auch mit sich selbst, zu beschäftigen.

Ein Mensch, der so spricht, dem mangelt vor allem an zwei Dinge … Empathie und Nächstenliebe …

Er ist sich selbst am nächsten, und dadurch von tiefen Gefühlen zu und von anderen, auf traurige Weise sehr weit entfernt.

Es kostet dich nichts (außer etwas Zeit) nachzudenken, bevor Du sprichst, und somit zu einem besseren Verständnis und mehr guten Gefühlen in der Welt beizutragen. Es spricht nichts dagegen, Empathie zu leben, indem man sich bewusst ist, dass Worte weite Wellen schlagen können, und diese daher überlegt ausspricht.

Worte können verletzen … aber auch heilen … jenachdem wie man sie spricht.

© Erika Flickinger

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