Gibt es eine neue Art der Liebe?

Gibt es eine neue Art der Liebe.

Was ist es was seit einiger Zeit so gerne, als neue Art der Liebe bezeichnet wird?

Es gibt Menschen, die erzählen dir, es käme eine neue Art des Liebens.

Eine Liebe, bei der man zuerst einmal auf sich selbst schaut, an sich selbst arbeiten muss.

Nur wer es schafft, genügend an seinem Ego zu arbeiten, also quasi das gesunde Sprechen mit einem Selbst im Grunde unterdrückt, indem er sich selbst, vor sich kleinmacht, weil er seine innere Stimme zum Schweigen bringen will, wäre einer jener, die diese neue Liebe erfahren.

So und so Ähnlich finden sich Erklärungen und angebliche Durchgaben im Netz.

Die neue Liebe kommt also zu den Egobekämpfern. Was daran seelisch nun gesund sein soll, entzieht sich meinem Verständnis.

Zum Thema Ego habe ich genügend auf diesem Blog geschrieben. Mein Ego und ich, wir sind eine Einheit, ohne mein Ego, kein wirkliches  ICH.

Mein Ego ist es, das sieht, fühlt, erkennt, aufnimmt, wünscht, ändert, zum handeln auffordert, neue Wege testen will, neue Erfahrungen aufnimmt und analysiert und einsortiert und vieles mehr.

Ohne dieses Ego, welches die Dinge um mich herum so aufnimmt, wie diese zu mir und meiner Art des Lebens, ja zu meiner Seele passen, bin ich nur ein kleines dummes Schaf, dass gehorsam hinter einem „Verkünder“ herläuft und Befehle ausführt.

Nichts anderes ist es, was Anhänger solcher selbsternannter „Verkünder“ tun.

Sie opfern ihr eigenes Ego, um das Ego eines anderen zu befriedigen.

Und von solchen „Verkündern“ lassen sich so viel andere dann sagen, was Liebe ist, wie diese funktioniert, wie diese zu leben ist. Und vor allen Dingen, dass sie dann die Empfänger dieser neuen Liebe sein werden, sofern man verstanden hat, was dafür gefordert wird.

Ohne zu bemerken, dass hier ein „übermächtiges“ und manchmal sogar zwanghaftes Ego am Werke ist, um seine eigenen Verletzungen, Enttäuschungen und Trugschlüsse anderen auf sanfte aber konstante Art und Weise aufzuerlegen.

Ein deinem eigenen Wessen fremder Mensch, der Dir erklären will, was Liebe ist und wie diese gelebt und gefühlt werden soll. Und zwar, von seinem eigenen Empfinden aus gesehen. Ein Mensch, der behauptet, er kann Dir den Weg zeigen, in eine neue Art der Liebe.

Diese neue Art der Liebe führt dich überall hin, nur nicht zur Liebe!

Man sieht dies schon an der Art und Weise, wie ein solcher Mensch mit seinen „Anhängern“ umgeht. Nur sehen diese in ihrem blinden Verfolgungseifer nicht, wie geringschätzig sie im Grunde von diesem einen „Thronbesetzer“ gesehen und behandelt werden.

Man sieht es auch daran, dass Menschen, die denken, die „Funktionsweise“ der Liebe für einen jeden zu kennen, mit Kritik nicht umgehen können. Man könnte doch erwarten, dass ein solcher Mensch fähig wäre, Kritik anzunehmen, anzuschauen und sich damit auseinanderzusetzen, dass es auch andere Anschauungen, als seine eigenen gibt.

Dies wäre doch wohl in Liebe gehandelt, ohne sein Ego zu sehr zu strapazieren.

Wie viel wertvolle Gedanken und Inspirationen ja Möglichkeiten die Liebe zu begrüßen, verbergen sich gerade in kritischen Anmerkungen und in Diskussionen, die auch beidseitig geführt werden.

Weit gefehlt. Da wo ein Ego im Spiel ist, welches zwanghaft nach Anerkennung und dem Recht, die einzige Wahrheit zu kennen agiert, da wird Kritik und andere Denkanstöße nicht geduldet oder als Unwissend abgetan und ins Lächerliche gezogen.

Und gerade hier sollte ein Mensch mit einem gesunden Ego erkennen, dass er etwas anhängt, was seelisch ungesund ist.

Man erkennt ein solch bedauernswertes Ego auch daran, dass er Versprechen nicht ernst nimmt, dass er Dinge verkündet, die er nach Belieben wieder verwirft, ohne ein Wort der Erklärung, denn er ist der alleinige Besitzer der Wahrheit. Und nur er darf diese Wahrheit ändern.

Eine Wahrheit, die unantastbar ist, die unverrückbar feststeht (außer er/sie verrückt diese selbst) und die auch nicht die kleinste Kritik oder Zweifel von Seiten anderer duldet. Eine Wahrheit, die Kommentare ablehnt, löscht, beschimpft oder derbe kritisiert. Spätestens hier müssten einige „erwachen“ und genauer hinschauen.

Seine/Ihre Wahrheit erlaubt es „ihm/Ihr“ zu handeln wie es ihm/ihr beliebt und zugleich verurteilt ein solches Ego alles, was seine eigene Wankelmütigkeit beanstandet.

Meine Meinung dazu ist: Die Liebe lässt sich von keinem sagen, wie sie zu sein, und zu erscheinen hat oder gar, wie sie gelebt werden muss.

Der Liebe ist es egal, ob Du dein eigenes Ego anerkennst, ob Du dein inneres Kind liebst, ob Du strahlenden rosa Wölkchen nachjagst oder lieber im Zimmer alleine verweilst, ob Du einer Ideologie eines anderen folgst oder gar keiner. Es ist ihr egal, wie Du aussiehst und was Du auf dem Bankkonto hast.

Sie fordert keine Bezahlung um sie erfahren zu dürfen, und fordert keine blinde Gefolgschaft. Sie lässt sich nicht lernen, geschweige denn lehren. Weil sie so vielfältig und individuell ist, das kein anderer fühlen, geschweige denn lehren kann, wie es für einem selbst passend ist.

Es ist ihr egal, ob sie für dich gerade zur rechten Zeit kommt oder ob Du ihre Zeitwahl als unmöglich empfindest. Sie klopft auch nicht an und bittet um Einlass. Sie steht eines Tages einfach da, nimmt dich in den Arm und „Bleibt“ so lange, wie sie möchte.

Die Liebe wählt dich aus, auf ihre eigene Art und Weise, jedoch wird sie dir nicht mit Bedingungen erscheinen, denn Liebe stellt keine Bedingungen. Liebe überreicht keine Lehrpläne oder Seminarunterlagen und sie stellt schon gar keine Rechnungen aus.

Ein Mensch, der meint Tausenden anderen sagen zu müssen, wie Liebe funktioniert, wie Du sie in dein Leben locken kannst, ja wie Du sie zu leben hast, so ein Mensch ist von nichts weiter entfernt, als von der wahren Liebe.

So ein Mensch hat sich verloren im Irrgarten seiner unerfüllten Sehnsüchte und Wünsche oder hat sich von der Realität so weit entfernt, um zu glauben, er alleine besitze den Schlüssel zum Seelenheil und zum Öffnen der Liebestüre eines jeden. Oft aber will so ein Mensch einfach nur seinen Willen durchsetzen und/oder ist unfähig zu akzeptieren, dass ein anderer ihn vielleicht nicht zurück liebt und verarbeitet nun auf diese Weise das eigene Leid.

Oder aber, wie es heute leider viel zu oft geschieht, er hat die möglichen Eurozeichen, die sich in seiner Zukunft manifestieren können, klimpern gehört.

Jedoch bin ich auch der Meinung, dass Menschen, die einem solchen „Verkünder“ anhängen und ihm blind folgen, die ihre Zeit, ihre Energie, ihre finanziellen Mittel mit ihm „teilen“, wohl selbst noch einen weiten Weg vor sich haben.

Nämlich, den Weg zu sich selbst zurück, den Weg sich selbst wieder zu fühlen, anstatt sich von einem einzelnen Menschen, dessen Ideologien über die Liebe aufdrängen zu lassen. Sie haben sich auf dem Weg, die Liebe zu finden, oder einen geliebten Menschen ins Leben zu ziehen, selbst verloren.

Sie greifen nach jedem Strohhalm, und folgen jenen, die ihnen verkünden „Ich habe den Schlüssel zur Liebe in Händen. Ich kann Dir den Weg zu dir selbst und hinein in eine neue Art der Liebe weisen“.

Und sie folgen solchen „Verkündern“ bis sie blind werden für die Liebe und das Leben, welches eigentlich für sie selbst bestimmt ist.

Bis sie taub werden für die leise Stimme der Liebe, die gerade zu ihnen spricht.

Bis sie gefühllos werden für andere und nur noch auf sich selbst und ihr vermeintlich zu korrigierendes Ego, schauen.

Bis sie müde und widerstandslos werden, weil ihre eigene Wahrheit von einem anderen überdeckt und somit zu einer unsichtbaren Belastung wurde.

Wach und munter werden sie, wenn es darum geht, Kritiken an ihrem „Verkünder“ abzuschmettern und dem Kritisierenden das Recht nehmen wollen, diese „Wahrheiten“ und dessen Kompetenzen in Frage zu stellen.

Sie reagieren paradox, indem sie Kritik an diesem Heilbringer kleinreden, korrigieren oder sich darüber lustig machen, dass dieser zu dumm ist und noch lange nicht soweit, wie sie selbst, aber zeitgleich selbst zum größten Kritiker am Kritisierenden werden.

Hier sollte ein jeder einmal in sich gehen und darüber nachdenken, ob er denn nicht schon in einer Art „Sektengefüge“ oder einer „Meisterverehrung“ gefangen ist. Denn all dies, hat nichts mit Liebe zu tun, auch mit keiner neuen Art der Liebe und schon gar nicht mit einer „gesunden“ Selbstliebe.

Sie haben, wenn ihnen irgendwann die Erkenntnis kommt, dass sie in vielen Bereichen erleichtert wurden, und leer und ausgebrannt dastehen, den Weg zurück zu sich selbst vor sich. Und auch hier wird die Liebe der beste Wegweiser sein, den man haben kann.

Die Liebe zu allem, zu anderen, diese Liebe, die nichts fordert und nichts aufzwingt. Genau diese wird es sein, die denjenigen liebevoll in den Arm nimmt und seinem Ego zeigt, dass es so wie es ist richtig ist, und dass die Liebe nichts fragt, nichts fordert, nichts aufdrängt … sondern einfach nur ist was sie ist … Liebe.

Aber am tiefsten wird sie wahrscheinlich die Erkenntnis treffen, dass es keine neue Art der Liebe gibt. Die Liebe ist seit Anbeginn immer in der gleichen Form existent, in einer Form, die jeden einschließt und doch für jeden anders ist.

Diese eine wahre Liebe spricht zu Dir ohne einen Vermittler oder Verkünder. Diese Liebe ist so alt wie das Universum und doch für jedes einzelne Fühlen absolut neu. Sie formt sich für jeden anders und umfasst doch alles auf gleiche Weise.

Mit Liebe!!!

Und vor allen Dingen dürfen sie dann erkennen, dass diese Liebe so unzählbar viele Sprachen spricht, aber nur eine einzige verständliche für jeden persönlich.

Sie muss nicht neu werden, sie ist so neu wie sie alt ist und wird so alt werden, wie es neue Seelen gibt und darüber hinaus.

Es gibt keine neue Art der Liebe, es gibt nur für jeden seine individuelle Art zu lieben.

Eine Art zu lieben, welche Du nur Du erkennen, fühlen und leben kannst.

Eine Liebe, die sich für dich bei jedem Lebewesen, Gegenstand, Erlebnis, bei jedem Wunsch und jeder Vision für DICH persönlich „neu“ anfühlen wird.

© Erika Flickinger

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