Deine Zeit und Freundschaften

Heute möchte ich einmal über das Thema Freundschaften und das gegenseitige Geben und Nehmen sprechen. Und ich meine damit, wie Du beim lesen erkennen wirst, keine materiellen Gaben, sondern, Zuneigung, Gefühle und vor allen Dingen deine Zeit.

Und dann kommst Du in die Lebensphase, innerhalb der Du dich nicht mehr mit halbgaren Dingen zufriedengibst. Während der Du auch bei Freundschaften schaust, ob ein gleichwertiges Geben und Nehmen, und zwar im Gefühlsbereich gegeben ist.

In die Lebensphase, in der Du dich als Mensch gesehen fühlen willst.

Und fehlt dir all dies, dann verzichtest Du lieber auf Freundschaften, als dein Fühlen so zu vergeuden. Weil, sind wir ehrlich, es ist Zeit, deine Lebenszeit, die dir abgeht an deinem Zeitkonto, von dem keiner weiß, wie gefüllt es noch ist. Es ist Zeit, die dir davonläuft, die für dich unwiederbringlich verloren ist, ohne dass Du etwas wirklich, für die Seele Wertiges dafür erhalten hast.

Es ist oftmals Zeit, in der Du die Egobedürfnisse eines anderen befriedigst und für dich selbst nichts von bleibendem Wert dabei ist.

Es mag sein, dass sich dies jetzt für den Leser berechnend anhört, dies ist es aber nicht.

Das was Du dir niemals kaufen, auffüllen oder wiederholen kannst, ist die Zeit, die vergangen ist. Sie ist unwiederbringlich weg.

Es liegt aber einzig an dir, diese für dich sinnvoll zu nutzen.

In jungen Jahren, da macht man sich darüber selten einen Kopf. Man lebt, in vollen Zügen. An die Zeit, die verrinnt, denkt man meist kaum.

Es liegt ja noch so viel davon vor einem. Was soll man drüber grübeln. Man ist ja sooooooo jung und die Zeit vergeht so langsam, wenn man sich auf etwas freut, auf etwas voller Spannung wartet.

Wir waren fast alle so. Was auch gut ist, denn die jungen Jahre sollte man nicht unbedingt mit solchen Gedanken beschweren. Da ist so vieles was getan und erlebt, gefühlt und erarbeitet werden will. Hier würde man sich doch oftmals mit dem Gedanken der Zeit und wie die Minuten von unserem Lebenskonto verrinnen, erschweren.

Aber irgendwann kommen wir alle an den Punkt, an dem man anfängt nachzudenken, wie viele der kostbaren Minuten der wertvollen Sekunden wohl noch in unsere Lebensuhr tropfen werden.

Und plötzlich wird einem bewusst, dass dies unser größter Reichtum ist … diese unwiederbringliche Zeit.

Denn es ist dir auch irgendwann, so klar, dass all dies was Du mitnehmen kannst, aus fühlenden Dingen besteht, aus dem was Du erlebt, genossen, gefühlt, geweint und geliebt, ja auch gegeben hast, dies aber ohne den bitteren Nachgeschmack des nicht wirklich gesehen Werdens.

Man nimmt das mit, was sich im Geiste ansammelt, in der Seele, im Fühlen.

Und hier nun beginnst dir so deutlich klar zu werden, dass Du noch so viel Schönes sammeln aber auch geben möchtest.

Du fängst an, darüber zu grübeln, ob X oder Y es achten, wenn Du ihnen deine wertvolle Zeit gibst. Du schaust genau hin ob Z oder W klar ist, welch kostbares Gut Du ihnen spendest, wenn Du ihren Kümmernissen zuhörst, tröstest und Ratschlag gibst.

Und ja, manchmal ärgerst Du dich auch, dass Du dich wieder hast breitschlagen lassen, einem in deinen Augen unnützen Gerede zuzuhören, oder wieder einmal, zum gefühlt tausendsten Mal einen Ratschlag gibst, von dem Du doch weißt, dass er nicht geachtet wird.

Und Du hörst förmlich, wie deine Zeitperlen hinabtropfen in eine unendliche Dunkelheit … unwiederbringlich weg sind … von deinem Lebenskonto gestrichen.

Und du bekommst das Gefühl, körperlich zu spüren, wie manch einer so arglos oder verantwortungslos mit deiner Zeit spekuliert.

Und dann fragst Du dich, was bekomme ich dafür, dass ich mein wertvollstes Gut einfach so hingebe?

Was gibt mir der andere zurück?

Was schenkt er mir zum Ausgleich, dass meine Seele bereichert und dann wenn meine letzte Sekunde leise verklingt, mit mir mitreisen kann?

All dies mag berechnend klingen, doch denke ich, gehört auch dies zur Selbstliebe, zu schauen, was genau nehme ich einmal mit, was schenkt mir der andere, was in meiner Seele bleibt und dort in mir Früchte trägt, ohne dass es einen gewissen Groll oder ein Bedauern in mir hinterlässt.

Natürlich schenken dir manche, denen Du so viel deiner wertvollen Zeit dahingibst zuweilen etwas ganz anderes … „Erfahrungen“… sehr oft auch schmerzliche.

Und manchmal bemerkst Du auch, dass es einfach nicht zusammenpasst, weil man zu unterschiedliche Erwartungen ans Leben hat. Die zu unvereinbar sind und dich nur unnütze Zeit kosten, dir aber keinerlei wertvolle Nahrung für die Seele bieten.

Was manches Mal harmonieren kann, ist, wenn beide reif genug sind, zu erkennen, dass auch unterschiedliche Wege lehrreich sind und am Ende in einer wenn zwar unterschiedlichen, so doch aber gemeinsam erlebten wertvollen Erfahrung münden können.

Und doch, auch das was Negativ anmutet, wird dir wertvolle Erfahrungspunkte in dein Lebenskonto zeichnen. Auch diese sind kostbar und lehren dich, dich da umzudrehen und zu gehen, wo man deine Lebenszeit so unachtsam vergeuden will.

Du erfährst, dass viele nur sich sehen, auch wenn sie selbst es anders darstellen, Du hörst meist nur ICH heraus und vermisst das mitfühlende DU.

Ich habe … Ich will … Ich fühle … Ich denke … Ich wünsche … usw.

Kein … was hast DU mitgenommen in unserem Gespräch? … Was möchtest DU bei alledem? … Was fühlst Du in dem Moment, wenn ICH mich freue, dass Du mir deine Zeit opferst? … Was denkst Du eigentlich wirklich zu alledem? … was würdest DU dir wünschen, dass wir ändern könnten? … wieso gibst Du mir so viel deiner Zeit einfach so?

Ja, genau jetzt höre ich schon vorab die Proteste, dass man doch selbstlos geben und lieben soll und dass es egoistisch sei, zu geben und zeitgleich etwas zu fordern.

Solche Bedenken kommen aber paradoxerweise meist auch von den Menschen, die die Selbstliebe so sehr propagieren.

Oh nein, so zu denken ist kein Egoismus, es ist Fürsorge für die eigene Seele, somit ist es auch ein Teil der Selbstliebe.

Man kann nicht immer nur geben und geben und geben und nichts wirklich Erfüllendes erhalten. Irgendwann ist das innere Gefäß leer, weil es zu einseitig nur von einem selbst gefüllt wird und zu viel davon wieder zu anderen läuft. Hier wurzeln viele Krankheiten der Seele, hier in den Rissen deines Inneren.

Es werden immer Menschen in dein Leben kommen, die auf eine subtile Art und Weise, sehr fordernd sind, es selbst aber nicht bemerken (wollen).

Sie fordern so vieles an Aufmerksamkeit, an Zuwendung, an Zeit.

Es sind Menschen, die den Begriff Zeit anders deuten als Du selbst.

Und spätestens da, wo Du bemerkst, dass nur Du darüber nachdenkst, wie wertvoll Zeit doch eigentlich ist, und dass Sie dein wertvollstes Gut ist, welches Du anderen schenken kannst, und dein Gegenüber dies nicht versteht, und dir dies zeigt, indem er weiterhin nur nimmt und fordert, spätestens da wird klar, wie unterschiedlich man doch wirklich ist. Hier hilft nur, sich umzudrehen, solche Zeiträuber stehen zu lassen. Sei dir getrost, sie finden neue Opfer und wundern sich, weil auch diese sich eines Tages umdrehen und gehen.

Du jedoch hast es verdient, dein eigener Wächter und Zahlmeister über dein Zeitkonto zu werden.

Nutze diese Macht weise und schau wohin deine Zeit fließen darf und was sie als Ausgleich in deine Seele schwemmt. Denn deine Seele ist es, die nach Ablauf deiner Uhr mit dir auf die Reise geht. Nur sie wird bei dir sein. Daher fülle sie mit Freude und schönen Erinnerungen.

© Erika Flickinger

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