Freundschaft und die Ausgewogenheit zwischen Geben und Nehmen

Freundschaft ist nicht immer nur Geben und Nehmen im herkömmlichen Sinne … wirkliche tiefgehende Freundschaft ist so viel mehr.

Der Slogan Freundschaft ist nehmen und geben von beiden Seiten mag stimmen. Aber oft ist es so, dass zwar beide im Austausch etwas geben, aber einer immer mehr nimmt.

Ich schreibe hier nicht von Dingen wie Geld, oder Ähnlichem.

Viele verwechseln das Geben von Sachen, Fähigkeiten, Hilfsangeboten mit den wirklichen Werten einer Freundschaft. Liebe, Zuwendung, ein wirklich offenes Ohr für deine Sorgen und Probleme, einfach nur da sein, wenn deine eigene Seele überquillt vor Kummer oder Sorgen, auch dich einmal an die Hand nehmen und sagen, komm, wir gehen da jetzt gemeinsam durch, ich bin an deiner Seite und es ist mir egal, ob Du etwas zum Ausgleich geben kannst, denn ich mag dich, Du bist mir wichtig. Das ist Freundschaft.

Manchmal macht man im Leben die Erfahrung, dass zu schnell von Freundschaft gesprochen wird, aber es bleibt immer eine kleine Warnung in dir zurück. Weil Du spürst, dass Du im Grunde mehr gibst, als zurückkommt.

Du wirst gefordert da zu sein, wenn es dem anderen schlecht geht, wenn er deine seelische Unterstützung braucht, oder reden will.

Und er/sie gibt dir auch etwas zurück, doch ist das, was zurückkommt eher praktischer Natur, einfach damit etwas zurückkommt. Dadurch bekommt alles einen sehr gezwungenen Charakter. Man muss etwas anbieten, damit der andere für einen da ist.

Deine Fähigkeiten im Austausch zu den Fähigkeiten des anderen. All dies unter dem Deckmantel der Freundschaft.

 Wenn Du dann auch noch des Öfteren hören musst „Nicht wahr, wir sind Freunde, ich bin dir wichtig (wohlgemerkt der andere Dir) ich gebe und Du gibst.“ Oder anders formuliert, solange Du mir etwas gibst und mich in den Mittelpunkt stellst, solange sind wir Freunde.

Aber, wenn Du mal im Mittelpunkt sein willst, einfach um auch einmal als Mensch mit Sorgen und Nöten gesehen zu werden, um einmal nur über dich und dies was in dir vor sich geht zu sprechen, wirst Du schnell bemerken, wie tief, tragfähig und vor allen Dingen ausgewogen, die „Freundschaft“ wirklich ist.

Dann erkennst Du, dass dies was euch verbindet, eine sehr einseitige Beziehung ist.

Ich möchte es so formulieren, Freundschaft bedeutet nicht, ich gebe dir meine Talente zum Ausgleich für deine Talente oder mein Wissen als Gegenleistung für dein Wissen.

Das ist keine Freundschaft … es ist ein Geschäft.

Bei einer solchen Verbindung wird sich einer von beiden, bald vorkommen, wie auf einem Marktplatz oder Basar, auf dem gehandelt wird, wer was bekommt und was als Gegenleistung gibt.

Und man fühlt sich nicht als Mensch gesehen, sondern als Handelspartner,

ICH GEBE ALSO GIBST DU AUCH!

Und mal ehrlich, sollten Freunde nicht einfach so füreinander da sein, ohne aufzurechnen, was der eine gab und was vom anderen nun zurückkommen sollte?

Es geht bei einer Freundschaft doch um eine recht nahe zwischenmenschliche Verbindung, in der man sich vertrauen kann, in der jeder sich auskotzen kann, wenn es ihm schlecht geht und er ein offenes Ohr findet, ohne gleich nach dem zweiten Satz, mit den Problemchen und Sorgen des anderen überladen zu werden und ehe man sich versieht, steckt man wieder in der Problematik des anderen, und die eigene Seele wird wieder einmal nach hinten gedrängt. Du wirst wieder nicht gehört, wirst nicht getröstet, nicht verstanden.

Freundschaft ist kein Handelsabkommen von Geben und Nehmen, 
aber ein Austausch von Empathie-, Achtsamkeit- und Liebe.

Freundschaft wärmt die Seele, wenn sich die Sonne mal wieder versteckt.

Für mich bedeutet Freundschaft:

Ich bin für dich da, ohne Bedingungen. Ich höre dir zu und gebe Ratschlag und lasse meine Probleme einfach einmal außen vor. Sprich dich aus und ich lasse einmal meine Wehwehchen im Hintergrund. Heule und jammere dich mal so richtig aus, weil Du es gerade brauchst, weil es gut tut und ich das als dein Freund gerne für dich mache, ohne gleich zu berechnen, wieviel und was dann auf meinem Guthabenkonto steht, dass ich bei dir wieder einlösen kann.

Das Einzige was Du bekommst, ist keine seelische Zuwendung, sondern ein Handwerk, ein Gegenstand oder sonst etwas im Austausch, damit der andere sagen kann, ich bin ein guter Freund, ich gebe immer etwas zurück.

Dass Du selbst aber seelisch neben ihm verkümmerst, weil Du ständig in den Hintergrund geschoben wirst, hinter den immer gleichen (und zu oft selbstverschuldeten) Probleme des anderen, die du dir immer und immer wieder anhören sollst, zu denen Du immer und immer wieder Ratschlag geben sollst, während der andere auf seiner selbsterschaffenen Bühne steht und nur sich präsentiert, bemerkt derjenige nicht.

Wenn Du es dann ansprichst, tut der andere total überrascht und gelobt Besserung, verspricht, sich ein wenig aus dem Mittelpunkt zu nehmen, nur um nach allerkürzester Zeit wieder nur von sich und seinen Problemen zu sprechen.

Und Du gehst wieder unter, in den Dramen eines anderen.

 Und manchmal ist es auch so, dass wenn dein Gegenüber bemerkt, dass es in deinem Leben noch andere Menschen gibt, die dir auch wichtig sind, er sein Geben zurückzieht, weil er den Mittelpunkt in deinem Leben verloren hat.

Mag sein, dass dies unbewusst geschieht, aber es zeigt deutlich auf, dass Freundschaft für manche nur ein Handelsgeschäft ist oder das Du nur die Bühne bietest, um des anderen Schauspiel anschauen zu dürfen.

Das ist keine freundschaftliche Beziehung, sondern hier treffen sich ein Schauspieler, in der Rolle seines Lebens- und ein Komparse, der gleichzeitig Zuschauer und Applaudierender, jedoch keinesfalls Kritiker, im Drama des anderen sein darf.

In so einer zwischenmenschlichen Beziehung (ich mag es nicht Freundschaft nennen), ist es immer nur einer, der wirkliche Aufmerksamkeit gibt und dieser eine blutet mit der Zeit, unter der Einseitigkeit und dem Drang des anderen immer im Mittelpunkt zu stehen, schlicht und einfach seelisch aus.

Niemand sollte es sich antun, zum Statisten im Leben eines anderen zu werden, nur um sagen zu können, ich habe eine/n Freund/in.

Niemand sollte sich verbiegen müssen, um einen „Freund“ zu haben.

Niemand sollte in der Nähe einer Freundschaft seelisch verkümmern müssen und an seinen eigenen Problemen verstummen, weil kein offenes Ohr da ist.

Und niemand sollte unter dem Slogan „Wir sind Freund, weil es ein Nehmen und Geben gibt“, eine einseitige Freundschaft führen müssen, denn dies macht einfach nur einsam.

Jeder sollte jedoch einen FREUND haben der, ohne zu zögern auch für ihn da ist, der ohne Bedingungen seine Zeit für ihn gibt, der ohne aufzurechnen, einfach nur hilft, weil er es kann und gerne für dich tut.

Jeder sollte einen Menschen Freund nennen können, der mit ihm durch die Tiefen seines Lebens geht, mit ihm über den Schutt und das Geröll seiner seelischen Leiden klettert, um danach auch die Höhen mit ihm zu genießen und sich gemeinsam zu freuen, dass man zusammen alles versuchen kann, egal ob ein Erfolg oder nicht daraus erwächst.

Und jeder sollte diesen Freund haben, der ihn bei seinen verrückten Plänen unterstützt ihn aber auch vor den Gefahren warnt, die auf dem Weg warten könnten, der jedoch seine Entscheidung respektiert und ihn dann anfeuert, egal ob er selbst es gutheißt oder nicht und gleichgültig, wohin der Weg dann führt. Und so ein Freund, steht dann auch an deiner Seite, um entweder den errungenen Sieg mit dir zu feiern oder gemeinsam die Scherben wegzufegen und danach eine neue Erfahrung zu feiern. Ebenso wie Du es jederzeit genauso für ihn tun würdest.

Es heißt Freundschaft, weil man mit Freunden zusammen alles schafft! #Motivation #Freunde

Dies bedeutet, wenn man sagt, in unserer Freundschaft gibt es ein „Geben und ein Nehmen“, jeder von uns beiden gibt etwas und jeder darf etwas empfangen.

Nimm dir die Freiheit, aus einer ungesunden und einseitigen Freundschaft auszusteigen, sei dir selbst wertvoll genug, lieber eine Weile alleine zu sein, anstatt mit einer Freundschaft, die dich am Ende nur auslaugt.

Sei Dir wichtig genug, nur Menschen in dein engeres Umfeld zu lassen, die auch dich und deine Sorgen ernstnehmen.

Sei da achtsam, wo man nur sich selbst sieht, und fühlt und Du nur sehen und fühlen sollst, ohne jemals selbst wirklich erkannt zu werden.

Gebe den Menschen einen Platz in deinem Leben, die wissen, dass man gemeinsam die guten Zeiten ebenso wie die etwas dunkleren, besser durchschreiten kann und gemeinsam daran wächst, wenn ein gesunder Ausgleich im seelischen-, menschlichen und allumfassenden Geben und Nehmen da ist. Freue dich auf die Menschen, die auch dich (an) hören und fühlen und für die des einen Leid und Freude auch des anderen, Leid und Freude ist.

© Erika Flickinger

 

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