Der Lauf der Zeit

Man sollte sich die Zeit zum Freund machen,

zu einem angenehmen Mitreisenden.

Sie nicht zum Feind erklären, sondern erkennen,

wie oft sie uns aufzeigt, was wirklich wichtig ist.

Es ist nicht die Zeit, die uns das Leben kürzt.

Wir selbst sind es, mit all den zeitfüllenden Sinnlosigkeiten,

die uns aufreiben und so viel wichtiger erscheinen

als jeden Moment der Freude auszukosten,

zu leben, und lieben und mit unserer Energie zu erfüllen.

Es ist nicht die Zeit, die uns dem Ende näher bringt,

es ist der normale Verlauf des Lebens,

dass die Momente unaufhörlich fließen,

dass unsere Körper langsamer werden.

Und doch trägt nicht die Zeit, die Schuld daran,

wenn das Alter schneller nach uns greift.

Es sind die unnützen Ärgernisse, denen wir die Hand reichen,

die sinnlosen Debatten, in die wir uns verstricken,

und das überflüssige Schauen darauf,

was andere uns voraushaben und besitzen.

Es ist das Vergleichen und das Neiden, das Spötteln darüber,

dass ein anderer sein Leben locker und lebendig führt,

anstatt, wie man selbst, sich in seinen Sorgen zu vertiefen.

Es ist nicht die Zeit, die uns antreibt nach Dingen zu streben,

deren Erreichen uns viel zu viel Kraft und Lebensfreude kostet.

Die Zeit ist uns ein Freund, ein Liebender und Gönner,

in eurem gemeinsamen Verlauf führt sie dich immer dahin,

wo alles darauf wartet, von dir erkannt zu werden.

Doch ist sie auch dein mahnendes Gewissen,

wenn Du dich wieder einmal darin verstrickst,

neidvoll und voller Verlangen, auf jene zu schauen,

die scheinbar mit all dem gesegnet sind,

was Du so tief ersehnst und doch nichts dafür tust,

und nur auf die Ungerechtigkeit des Lebens schimpfst.

Dein Freund, die Zeit, bietet dir so viele Chancen,

so viel Möglichkeiten – Situationen und Wege,

welche dich einfach dahin führen würden,

wo dein Ende des Regenbogens auf dich wartet.

Nicht die Zeit ist die unberechenbare Komponente deiner Reise,

Du bist es, der sich aufhält, abbremst und Irrwege schickt,

indem Du das Leben nicht annimmst, wie es dir erscheint,

sondern nach dem Leben strebst und suchst,

so wie Du meinst, dass es dir bestimmt wäre.

Du selbst bist es, der hinter der Zeit zurückbleibt,

in der Hoffnung, sie dadurch zu verlängern und

bis zum letzten Teil der Wegstrecke wartet,

um endlich zu erkennen, dass dies was andere leben,

nicht deinen Weg, nicht deinen Lebenszeiger bestimmt.

Du selbst treibst deine Lebenszeit voran,

indem Du dem nachjagst, was nicht zu dir gehört.

Dein Freund die Zeit, hält sehr oft mit dir zusammen an,

dann, wenn dir eine Situation dich dazu einlädt

bei ihr zu bleiben, weil sie dir ein Zuhause bietet.

Und doch rennst Du so oft wieder davon,

weil Du glaubst, es genüge nicht, was das Leben dir bietet.

Es ist nicht die Zeit, die alles schneller erscheinen lässt,

es sind deine versäumten Gelegenheiten, einfach nur glücklich zu sein.

Es sind die für dich geschaffenen Momente,

die Du als zu gering erachtest, weil ein Lächeln,

ein warmes Herz, eine haltende Hand, die Blüte am Wegesrand,

ein bescheidenes Zuhause, dir als zu wertlos scheinen.

Am Ende des Lebens, wenn Du spürst, dass deine Uhr abläuft,

wirst Du von eben solchen Dingen gehalten werden,

Ruhm, Reichtum, Schimmer und Glanz werden vergehen,

liebevolle Zuwendung, ein dir zugewandtes Herz jedoch

lässt jeden Zeitanlauf unendlich in dir wirken.

Die Zeit ist ein hervorragender Lehrer, die dir bewusst machen möchte,

dass gerade die scheinbar kleinen, von dir oft unbeachteten Dinge,

die Seele in die Unendlichkeit des Fühlens erheben.

© Erika Flickinger

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.