Gefühlte unzählige Leben

So lange

habe ich ihn freigehalten,

den Platz,

den ich dir in meinem Leben gab.

So lange,

die Stelle verteidigt,

auf die Du nie Anspruch erhoben hast.

So lange

stand ich reglos da,

unfähig die Blockade zu öffnen,

die jedem versagte

Licht in den Raum zu füllen,

den Du mit Dunkelheit gefüllt hast.

So lange,

ein wahres Übermaß an Leben,

habe ich der Liebe verweigert,

mich zu bereichern,

weil ich es als Verrat

an uralten Gefühlen spürte

als Verrat an Dir …

und der Glaube in mir lebte,

die Liebe zu verlieren,

wenn ich dich losließe.

Ich habe die Liebe verloren,

über gefühlte unzählige Leben,

weil ich festhielt, an dem,

der doch nie da sein wollte.

Der Platz neben mir hat sich geöffnet,

die Fläche dessen, was ich dir gewährte,

durfte im Dunkel untertauchen.

Im Licht blieb ein freier Platz,

den mein Leben füllen darf.

Nach gefühlten unzähligen Leben

habe ich beruhigend klar erkannt

„was Liebe nicht ist!“ …

Die gefühlte Wahrheit ist …

das im Gehen lassen

die größte Liebe zu sich selbst lebt.

© Erika Flickinger

So schwer …

Still … traurig …tränenschwer …

drehen sich beide um,

schweigend …

Traurig …

trägt jeder für sich

die Einsamkeit des anderen

mit sich … Schritt für Schritt.

Keiner spricht aus

was in ihm denkt …

nach außen drängt

und doch in jedem

für sich

für den anderen denkt …

diese zwei Worte

ach, wie schwer sie wiegen

einer Erdkugel gleich.

So jeder setzt den Fuß

in die andere Richtung

im Kopf dröhnen zwei Worte

und doch …

sie wiegen zum Sprechen

so unendlich schwer.

Stumm gehen sie ihrer Wege

und tragen ihn schweigend mit sich,

diesen innerlichen Schrei …

zwei Worte nur

ach, warum wiegen sie so schwer,

als trügen sie ein ganzes Leben?

„Bitte bleib!“

© Erika Flickinger

Zurück zu mir

In der Stille habe ich mich wieder gefunden …

mich alleine … ohne dich … ohne ein Wir …

denn in deinem Schweigen

ging der Weg zwischen uns verloren …

in deiner Abwendung von mir,

löste sich das Wir auf wie Nebel im Sonnenlicht.

Hier, an dem Punkt, da ich alleine auf unserem Weg stand,

lag mein Anfangspunkt, zurück zur Heimat in mir selbst.

© Erika Flickinger

 

Vergangenheit

Du kannst der Vergangenheit

nicht wieder entgegengehen,

Du kommst keinen Schritt vorwärts

auf dieser endlosen Straße,

die gepflastert ist von

Leiden,

Träumen,

Sehnsüchten,

Liebe,

Einsamkeit

Hoffnungen

neuen Schritten und Erfahrungen

erfüllter und unerfüllter Wünsche.

Du kannst deine Spuren nicht rückwärtslaufen,

der Staub der Zeit hat sie sanft

mit der Unendlichkeit zugedeckt.

Dieser Weg auf dessen Verlauf du glaubst,

einst dein Glück verloren zu haben …

dieser Pfad an dessen Zenit du

die verlorengegangene Liebe glaubst …

er hat keinen Platz mehr für deine Schritte.

Du wirst dich heillos verlaufen …

in einer Vergangenheit,

die sich selbst eine neue Zukunft suchte.

© Erika Flickinger

Sie dreht sich einfach um

Dann dreht Sie sich einfach um,

schaut auf den neuen Weg vor ihr

und geht los … weg von dort,

wo Ihre Gefühle nur leere Löcher

in einer Seele füllen sollten,

die den Sinn des Lebens

nicht in der Kraft zu sich selbst,

sondern in der Beachtung anderer sucht.

Sie geht den ersten Schritt, bleibt stehen,

schaut zurück, mitten hinein in dein Sein

und sieht deine Pein, den Du Ihr auferlegen wolltest,

diesen Schmerz, den Du nicht tragen möchtest,

den Du Ihr mit Worten deiner Zuneigung

auf Ihre Schultern legtest, nicht achtend,

wie zart diese Schultern eigentlich sind.

Sie hört noch einmal deinen Atem,

der nur in Worten des eigenen Kummers

so vielfältig in dunklen Schattierungen zu sprechen fähig war.

Sie erkennt, dass all Ihr Licht, nicht befähigt ist,

deine selbstgewählten Kerkerräume zu erhellen.

Denn da wo einer nur die Dunkelheit liebt,

da wird Ihr buntes lebensbejahendes Scheinen

dein schwarzgrau nicht umarmen können.

Und dann schaut Sie wieder nach vorne,

geht erleichtert den zweiten Schritt,

erobert sich Ihren Weg zurück.

Mit sich trägt Sie die Erkenntnis,

dass keine Zuneigung und sei diese noch so tief,

in der selbstgewählten Dunkelheit

eines anderen Herzens in bunten Farben aufblühen kann.

Und dann geht Sie mit jedem neuen Schritt

hinein in die Welt Ihre eigenen leuchtenden Farben.

© Erika Flickinger

Erkennen

In deinem Weggehen

erkenne ich dich,

mehr als je zuvor.

In deinem Schweigen

höre ich deine Gefühle,

deutlicher denn je.

Indem Du dich

von mir entfernst,

näherst Du dich

umso mehr

meiner Seele an.

© Erika Flickinger