Kann man die Dualseele loslassen?

Sehr oft liest man ja von dem berühmten Loslassen, von der Dualseele und von unerwiderten Liebesgefühlen.

Ein Thema, von dem ich nicht unbedingt viel halte.

Jeder erzählt dir, Du sollst deine Dualseele loslassen, nur keiner erklärt Dir wirklich, wie dies funktionieren soll.

Und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, weiß man, Loslassen ist zwar leicht ausgesprochen, aber an der Durchführung hapert es gewaltig.

Und je mehr Du loslassen willst, umso mehr wird Dich der andere Seelenanteil in Dir selbst festhalten.

Es wird gerne als eine der Aufgaben zwischen Dualseelen dargestellt, loszulassen, wenn der andere nicht wie von Dir gewünscht “funktioniert“.

Ich sehe dies nicht als Aufgabe, sondern als Aufgeben.

Sicher soll man den anderen “gehen lassen“, wenn dieser nicht bereit für diese Beziehung ist, denn dieses Nicht-Bereit-Sein kann viele und auch tiefgehende Gründe haben.

Diese vielen Worte, die über das Loslassen geschrieben werden, klingen zwar oft sehr klug und stimmig, aber mal ehrlich: Wer will loslassen, was er so sehr liebt? Und vor allen Dingen: Wer kann es? Und eine noch wichtigere Frage: Warum eigentlich loslassen???

Was Du liebst, kannst Du nicht loslassen, denn wenn Du liebst, dann liebst Du einfach, Du fühlst so tief wie nie zuvor, bist gedanklich so sehr ausgefüllt mit dieser Liebe, wie willst Du da loslassen können und wohin loslassen, ja, und noch einmal die Frage … Warum?

Nein, man kann nicht loslassen, was man liebt, es lebt im Herzen, füllt die Seele aus, diese Liebe gehört zu dir.

Du kannst nicht loslassen, was Dir in dem Moment gerade Hoffnung gibt …

Kannst nicht loslassen, was dein Herz so sehr erfüllt …

Kannst nicht loslassen, was deine Seele leuchten und singen lässt … NEIN … wozu auch?

Es hat doch einen Sinn, wieso diese Gefühle bei Dir sind.

Was Du aber tun kannst, ist: nicht festhalten, nicht klammern, nicht hinter dem herlaufen, was Dich nicht oder noch nicht will … ABER Du kannst nicht einfach deine Gefühle loslassen.

Es sind deine Gefühle, sie leben in dir, bei dir, mit Dir und auch ein Stück weit mit dem Gegenüber.

Sie sind in Dir, um gelebt und gefühlt, und ja, auch um geliebt zu werden, nicht um verzweifelt zu versuchen, sie loszulassen und damit einen aussichtslosen Kampf zu führen.

Gefühle, die im Moment bei Dir, sind wollen gefühlt werden, sie wollen angeschaut und angenommen werden.

Loslassen derselben würde für Dich persönlich bedeuten, zu verdrängen, dass es da etwas tief in Dir gibt, was unbedingt gefühlt werden will, würde für Dich bedeuten wegzuschieben, zu ignorieren, zu verdrängen. Du würdest Dich in diesem Moment auch ein Stück weit selbst verleugnen, da Du Dich ja von “deinen” Gefühlen befreien möchtest, indem Du sie loslässt, obwohl sie noch bei Dir und in Dir gefühlt werden wollen.

Ich kann nur für mich persönlich sprechen, aber diese vielzitierte Art des Loslassens würde mir auf Dauer meinen Seelenfrieden rauben. Es würde mich viel Energie kosten, die ich in die Pflege meiner Seele investieren könnte. Es würde mich an allen Ecken und in allen Tiefen meiner Seele zwicken und stupsen, und auf jede erdenkliche Art und Weise auf sich aufmerksam machen wollen. Weil man Gefühle eben nicht loslassen kann.

Sehr wahrscheinlich würde sich dieses Losgelassene auf den leeren Platz setzen, den nach viel Mühe und Liebe meinerseits mein trotziges inneres Kind oder eine andere Lebensaufgabe, die ich voller Stolz gemeistert hatte, gerade erst geräumt hat.

Das “Losgelassene” würde Dich dann von dort aus konstant darauf aufmerksam machen, dass Du einfach nur verdrängst und nicht “loslässt”, dass Du hier etwas in deine dunklen Abgründe verschiebst, was Dich krankmachen kann, anstatt ans Licht zu lassen, was gesehen und gefühlt werden will, um dort so oder so gelebt und geliebt zu werden und Heilung zu erfahren.

Du musst nicht loslassen, DU sollst ausleben, erleben, fühlen, erfühlen und, wenn nötig, eben auch weinen und toben, trauern und wieder weinen, aber nicht etwas loslassen, was zu Dir gehört.

Warum willst Du nicht durch all diese Emotionen hindurch laufen, ganz bewusst, um so, wenn es denn sein soll, bewusst Abschied von etwas nehmen zu können, dass dein Sein eine Weile ausfüllen durfte?

Und wenn Du all diese Emotionen durchlebt, angeschaut und verarbeitet hast, dann kannst Du, sofern Du es für Dich selbst entschieden hast, langsam beginnen, Dich von diesen Gefühlen zu trennen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass genau dieses, was ich loslassen wollte, was ich also für mich persönlich verdrängte, auf einer anderen Ebene in einem neuen Gewand wieder in mein Leben trat, solange bis ich mich den Gefühlen “auslieferte”, sie fühlte, ansah und akzeptierte und schaute was meine Seele hier erfahren sollte.

Ich habe gelernt, dass jedes auch noch so kleine Gefühl bei mir bleibt, bis ich mich ihm gestellt und mit ihm auseinandergesetzt hatte. Tat ich dies nicht, wuchs es mit der Zeit und mit jedem Nichtbeachten, oder eben Loslassen, weiter an, bis es mich soweit ausfüllte, ja, beherrschte, und ich gezwungen war, es anzuschauen und zu „erleben“.

Dann ließen diese Emotionen, tiefen Gefühle usw., auf “wundersame” Weise selbst von mir los oder sie entwickelten sich überraschenderweise zu dem, was sie schon immer werden wollten … ein willkommener Teil meiner Selbst.

Ich lasse nicht los, weil es nicht funktionieren wird, ich lasse mich von meinen Gefühlen führen, wenn es sein muss eben auch durch den Schmerz, bis sie mich verlassen oder den ihnen zustehenden Platz in mir einnehmen. Ich war im Nachhinein immer dankbar dafür, denn nirgends lernte ich mehr über mich selbst, als mit und durch meine angenommenen und erlebten Gefühle.

Die Wahrheit ist doch, dass Du nicht loslassen kannst, was in Dir lebt.

Gefühle, die Du für einen anderen Menschen hast, kannst Du nicht einfach so abschalten, wegschicken, so tun, als seien sie nicht mehr da.

Es sind deine Gefühle, sie bewegen deine Seele und dein Herz.

Du kannst den anderen wohl gehen lassen, aus welchen Gründen auch immer dies sein mag … aber Du kannst nicht die Gefühle loslassen.

Dir bleibt nur zu warten, bis sie von alleine schwächer werden.

Würdest Du Dich bemühen sie loszulassen, so müsstest Du sie verdrängen. Wahrscheinlich wärst Du dann Stunde um Stunde damit beschäftigt, denn wenn Du etwas liebst, ist es einfach bei dir, in Dir und je mehr Du Dich bemühst zu “verdrängen”, umso mehr hältst Du diese Gedanken und Gefühle am Leben, gibst ihnen Nahrung zum Wachsen.

Lass dieses Fühlen bei Dir sein, gib ihm den Platz, der ihm zusteht, mitten in deinem Herzen, lass es liebevolle Gedanken sein, denn alles, was aus Liebe ist, ist gut, ist wichtig für dich.

Umarme deine Gefühle und sehe sie als das, was sie sind, ein Teil deiner Selbst.

Verdrängen würde Dich nur trauriger machen, verbittert mit der Zeit, weil Du spürst, dass Du Dich selbst dadurch nur in eine negative Gemütsstimmung bringst.

Achte diese Gefühle, sie haben Dich wahrscheinlich eine Weile sehr glücklich gemacht, schau sie Dir immer wieder an und danke dafür, dass dein Herz auf diese Weise fühlen durfte.

Wer “loslässt”, verdrängt nur und hält daher fest, und alles Verdrängte steht irgendwann mit voller Wucht wieder vor Dir und holt Dich gnadenlos wieder ein. Und dies kann sehr schmerzhaft werden.

Wer sich seine Gefühle eingesteht und sich mit ihnen auseinandersetzt, kann sie verarbeiten.

Loslassen aber ist kein Verarbeiten und somit keine Heilung, sondern Verdrängen.

Was Du aber Loslassen kannst, ist die Vorstellung, dass Du nur mit einer bestimmten Person glücklich werden kannst, das stimmt so nicht.

Das ist ein zwanghaftes Denken, und Zwang kann kein Glück bringen.

Es hat seine Gründe, warum man (noch) mit seiner Dualseele getrennte Wege geht.

Vielleicht müssen noch ganz andere Menschen eure Wege kreuzen, damit ihr wirklich reif füreinander seid.

Vielleicht brauchen diese anderen Menschen, die euren Weg kreuzen und teilen möchten, eine Beziehung genau zu euch, um etwas zu lernen.

Vielleicht haben Du und deine Dualseele euch auch für dieses Leben getrennte Wege vorgenommen.

Oder aber, was sehr oft der Fall ist, vielleicht ist eure Zeit einfach noch nicht da und der andere oder Du haben noch ein Stück Weg mit jemandem anderen zu gehen, um bereit für die Tiefe einer Seelenliebe zu werden.

Es gibt so viele andere Seelen, mit denen ihr lieben, leben und lachen könnt und vor allen Dingen: euch weiterentwickeln.

Seelen, die ihr treffen sollt.

Mit manch einem habt ihr euch vor dieser Inkarnation verabredet, um bestimmte Dinge gemeinsam zu erleben, daran zu wachsen.

Öffne deine Augen und dein Herz, schau Dich um, lerne die Menschen um Dich herum besser kennen. Schau Dir an, welche Gefühle andere für Dich haben und welch Du für sie.

Wenn man sich zu sehr auf eine einzige Person fixiert, läuft man am Glück vorbei, an der Chance zu wachsen.

Man bleibt stehen, in einer Dauerwarteschleife, aber das Leben geht weiter, ohne euch, und eines Tages wacht ihr auf und habt viele schöne Erfahrungen verpasst.

Dualseelen sollen oftmals zuerst eine Weile getrennt voneinander lernen und lieben, um so gemeinsam zu wachsen und zu lieben.

Alles, was uns passiert, geschieht im Sinne einer universellen Ordnung. Wir müssen nur vertrauen, dass alles zu unserem Besten ist.

© Erika Flickinger(Aus „Sternenlicht im Mysterium Dualseelen„)

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