So viele ungelebte Tage

Es gab Tage, da war er verzweifelt.

Sie sah ihn wieder nicht!

Es gab Tage, da ging es ihm gut,

denn sie brauchte ihn!

Es gab eine Vielzahl Tage,

an denen er unbeschreiblich gelitten hat,

da sie wieder, ohne ihn, ihrer Wege ging!

Es gab sehr viele Tage,

da litt er und wartete auf Nachricht,

die doch niemals kam, ebenso wenig,

wie die Liebe von ihr zu ihm!

Und wie es ihn schmerzte, wenn Sie mit anderen lachte,

fröhlich war, Nähe genoss und strahlte,

und wie es ihn zu vernichten drohte,

sie im Beisein des anderen Mannes zu sehen!

Aber man sagte ihm,

sie sei seine große Liebe, all dies müsse geschehen,

damit er in die Selbstliebe finde.

Es gab sehr viele Tage, da sagte man ihm,

es ist richtig, wie sie dich behandelt,

denn sie zeigt dir, die Selbstliebe,

in dem Spiegel, den sie vor sich trägt,

und er glaubte wieder und sah nur auf sich,

wo er ändern, verformen,

sich selbst unkenntlich machen könne!

Man gab ihm beständig die Botschaften …

liebe dich selbst und sie wird dich lieben können.

Kümmere dich um dein Inneres Kind,

und sie wird dich lieben können.

Gehe den Weg des Prozesses,

und Sie wird dich an dessen Ende lieben können.

Und er glaubte wieder und wieder und wieder.

So ging er weiter den ewigen Weg der Suche danach,

sich selbst zu lieben, und fand ihn doch nie.

Und man sagte ihm wieder,

sie zieht sich zurück, trotz der starken Gefühle für dich,

so lange bis Du verstanden und verinnerlicht hast,

was Du alles ändern musst …

an Dir … in Dir … mit dir alleine.

Nein, nicht mit IHR,

es geht sie nichts an, sie ist nur dein Spiegel,

hinter dem ihre Liebe wartete, bis Du genügend

an dir geformt und verändert hast!

Es dauerte unzählig viele Tage,

bis er begriff, dass sie ihn nicht liebte,

dass man ihm Ratschläge gab,

die ihn festhielten im Leiden, im Schmerz,

in der Trauer und den Tränen,

in der Wut und der Angst,

sie letztendlich doch zu verlieren.

Und dann nach unzähligen Tagen

leuchtete eine neue Wahrheit in seinem Inneren auf,

dass die Liebe, die für ihn richtig war,

ihm kein Leiden, keinen Schmerz,

kein „Du bist falsch so wie Du gerade bist“ vorhält,

sondern ihn annimmt, wie er ist,

um mit ihm in eine gemeinsame Reife zu wachsen.

Es ließ viel seiner Lebenszeit hinter sich,

bis ihm bewusst wurde, er steht auf Abruf,

für eine Seele, die nie ihn gemeint hatte,

eine Seele, die sich selbst liebte,

wenn sie seine Gefühle ignoriert und

ihn getreulich auf Distanz hielt.

In dem Moment erschloss sich ihm glasklar,

dass Liebe für ihn vielleicht ein anderes Gesicht,

eine andere Gestalt haben würde.

Es zeigte sich ihm zweifelsfrei,

dass er nur ein Rädchen im Getriebe

einer Maschinerie war, die einen Glauben lehrte,

der zumindest ihn in ein unbeschreibliches,

Hoffen … Bangen … Leiden … Trauern,

jedoch weit von sich selbst weggeführt hatte.

Zaghaft machte er sich auf den Weg

in eine neue Art der Selbstliebe,

„der Achtung vor sich selbst“.

Endlich, tief im Inneren spürt er,

dies ist sein Weg, ohne Leiden,

Schmerz und vergeblicher Hoffnung.

Jedoch mit der Gewissheit,

dass die Liebe auf seinem neu entdeckten Weg,

für ihn in voller Pracht erblühen würde.

Hier an diesem Punkt, auf seinem ureigenen Weg,

erkannte er sie endlich, die Liebe zu sich selbst!

© Erika Flickinger

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