Ghosting ist manchmal berechtigt!

Ich sehe sehr oft Texte über das Ghosten und wie schlimm es doch ist, wenn jemand geghostet wird, und jeder hat enormes Mitleid mit einer Person, die behauptet, sie würde geghostet werden.

Man ergreift vorschnell die Partei für die angeblich geghostete Person.

Vorhin habe ich erst einen Poetry-Slam gesehen, bei dem es nur darum geht, wie schlimm Ghosten ist, aber mit keiner Frage: Warum schweigt der andere ist er/sie vielleicht im Recht?

Was mir bei all dem fehlt, ist eine Art Unschuldsvermutung für den anderen.

Was mir bei all den Mitleidsbekundungen fehlt, ist die Tatsache, dass man selten hinterfragt, warum denn geghostet wird.

Kaum einer fragt, ob der Beschuldigte vielleicht aus Eigenschutz ghostet, weil er gerade unter dem Hass und Zorn des Geghosteten zu leiden hat. Und keiner fragt, ob er dem evtl., Rächer jetzt fleißig Beifall klatsch und ihm das Gefühl vermittelt im Recht zu sein, während der Beschuldigte *vielleicht* das wahre Opfer ist.

Vielleicht hat er/sie oft genug das Gespräch gesucht und hat erklärt und geredet – ohne Erfolg.

Vielleicht ist jene/r, der/die behauptet, geghostet zu werden, selbst schuld, weil die Person voller Rachegefühle steckt oder selbst Gaslighting betreibt usw.

Ich bin der Meinung, es wird viel zu schnell mit diesen modernen Begriffen um sich geworfen und man glaubt zu schnell, ohne zu hinterfragen, und beteiligt sich leichtgläubig an einem Unrecht einem Menschen gegenüber.

Denn viele geghostete, sind oft einfach rächende Gaslighter!

Aus diesen Gedanken heraus ist der folgende Text entstanden.

Und manchmal ghostet man nur,

weil das Gegenüber nicht versteht.

Egal, was und wie oft man erklärt,

es wird nicht angenommen.

Was soll man tun,

wenn die Erklärung zum Rückzug

nicht akzeptiert, sondern als

Ghosting ausgelegt wird?

Was, wenn man keine Wahl hat,

um Frieden zu finden, als zu ghosten?

Und was, wenn man sich mit Rückzug

und Schweigen nur selbst schützt?

Was, wenn man erklärt hat

und das angebliche Ghosting

in Gaslighting gewandelt wird?

Was, wenn man absolut keine

Unwissenheit hinterlässt?

Was, wenn man oft hingewiesen

und geredet hat?

Was, wenn der Vorwurf

des Ghostings nur dazu dient,

Rache an mir zu üben,

um mich dann mit Gaslighting

des Ghostings zu beschuldigen,

um Rache an meinem

berechtigten Schweigen zu üben?

Nicht jeder, der ghostet, will verletzen;

manchmal schützt es vor Verletzung.

Nicht jeder Ghostingvorwurf ist echt

und dient nur dem eigenen Gaslighting.

© Erika Flickinger

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