Nicht mehr meine Welt

Ich fühle mich unwohl und fremd

in dieser „ver“rückten Welt.

Die nach mir kamen, verändern alles

Mitgefühl wird in Traffic gemesen,

anhand von Klickzahlen verteilt.

Arbeit und Anstrengung reicht nur noch

für ein weichgezeichnetes Video aus.

Je nutzloser der Inhalt des Filmchens,

desto höher preschen die Klicks.

Und schneller und noch schneller,

muss alles leben und geschehen,

sogar liebevolle Worte sind zuviel.

Auch die Liebe ist verändert,

sie glänzt nicht mehr vor Zuneigung,

sondern ist getrübt von Hasstiraden.

Sekunden zählen als Luxus,

schnell, schneller am schnellsten,

trampelt man über Mensch und Gefühl.

Der wahre Reichtum jedoch,

Ruhe und Zeit nur für sich,

Feingefühl für alles was lebt,

Freundschaft und tiefe Liebe,

ein Heim und eine sichere Partnerschaft,

sind Nostalgie und unerwünscht.

Alles, was schön und fördernd ist,

wird in der Eile und Hetze zerstört.

Gehört wird, wer schrill ist und laut,

Unverschämtheiten werden beklatscht,

wahre Empathie wird verhöhnt.

Gesehen wird, wer brutal und frech ist.

Man ist dagegen, einfach weil es in ist,

ohne zu wissen, wieso man ablehnt.

Wissen und Klarheit sind Lasten,

Unwissenheit wird lobhudelnd gefeiert.

So viele neue und fremde Worte,

überschwemmen Herz und Fühlen,

sie werden wie Faschingsbonbons,

andächtigen Zuhörer hingeworfen.

Respekt, Augenhöhe und Achtsamkeit,

als altmodisch und out deklariert.

Was uns einst stützte und förderte,

wird als Schwäche ausgelacht.

Mutig gilt wer alles besser weiß,

auch wenn Bildung ein Fremdwort ist.

Ich fühle mich hier fehl am Platze,

herausgerissen aus der Welt, die ich liebte,

gestoßen in eine Zeit voller Hass und Zorn.

Man fordert, es solle werden, wie einst

noch mehr Hass, Zorn und Verfolgung.

Ihr habt nicht gesehen, was die vor euch sahen,

und habt nicht erkannt wie schnell,

die nach euch kommen, alles verändern,

und dann steht ihr da und fragt euch;

„Ist diese „ver“rückte Zeit, noch meine Welt?“

© Erika Flickinger

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