Ich stehe am anderen Ende meiner Zeit
und ich schaue auf dieses Kind,
das ich einmal war
und würde um nichts in der Welt zurückwollen.
Ich stehe am anderen Ende meiner Zeit
und fühle die Mauer,
zwischen damals und heute.
Diese Grenze, an der Fühlen aufhört
und Akzeptieren beginnt.
Die Emotionen
von damals und heute,
sind so fern und doch allgegenwärtig,
Schwere begleitet mich,
Verzicht begleitet mich.
Diese Schwere ist immer da.
Damals wie heute war ich oft
einsam,
verletzt,
verzweifelt,
gefühlt allein zwischen Menschen,
die sich liebevoll kümmern sollten.
Denn ich war Stütze und Halt
für eine haltlose Mutter,
für einen abhängigen Vater.
Keiner war mir liebevoller Halt,
damit ich unbelastet aufwachsen,
dass Leben erkunden konnte.
Niemand lebte mir vor,
wie schön es ist geliebt zu werden.
Ich stehe hier
am anderen Ende meiner Zeit
und fühle noch immer die fehlende Liebe,
Zuwendung, den Schutz,
den ich nie bekam.
Ich erkenne:
Was fehlt,
kann niemals ersetzt werden.
Und doch formt es mein Leben,
mein Fühlen,
meinen Charakter,
meine Art zu lieben.
Hier am anderen Ende meiner Zeit
leuchtet die Erkenntnis:
Überleben bedeutet nicht,
geliebt worden zu sein.
Elternliebe, die einmal fehlte,
hinterlässt für immer ein Loch.
Hier am anderen Ende meines seins,
atmet schmerzhaft das Erkennen,
dass diese Form der Liebe,
mich ungelebt begleiten wird.
Und doch,
bin ich geworden, wer ich bin.
Nicht trotz der fehlenden Liebe,
sondern mit ihr als unsichtbare Begleiterin.
Am anderen Ende meiner Zeit
bin ich die, die ich sein soll.
© Erika Flickinger
